Wissenswertes über Vitamin A

Vitamin-A-Mangel ist zwar weltweit ein Problem, aber in Deutschland in ausgeprägter Form nicht anzutreffen. Allerdings ist bei uns in einigen Risikogruppen eine Unterversorgung wahrscheinlich. Zu diesen zählen vor allem Personen mit längeren Reduktionsdiäten oder mit streng veganer Kost, Schwangere, besonders mit Mehrlingen und kurzen Geburtsabständen, sowie alte Menschen.

In Entwicklungsländern erblinden jährlich bis zu 5 Mio. Kinder aufgrund eines Vitamin-A-Mangels, 10 Mio. junge Frauen leiden unter Nachtblindheit als einem ersten Hinweis für einen beginnenden Mangel und 20 Mio. haben erniedrigte Blutwerte als Zeichen eines bereits eingetretenen Vitaminmangels. Vitamin A beeinflusst Immunsystem, Knochenwachstum und Blutbildung und führt zu einer gestörten Neuentstehung (Regeneration) der Bronchialzellen. Dies erklärt die häufigen Atemwegsinfekte vor allem bei Kindern mit einer Unterversorgung an Vitamin bzw. Provitamin A.
Ursache sind fehlende Quellen, besonders tierische Lebensmittel wie Leber und Eier sowie eine schlechte Versorgung mit Provitamin-A-reichem Obst- oder Gemüse. Die Erblindung wäre durch die Gabe von Vitamin A aufzuhalten. Auch wenn solche schweren Formen in Deutschland nicht vorstellbar sind, so bedeutet dies keinesfalls, dass die Vitamin-A-Versorgung bei uns in allen Fällen ausreichend ist.

Die menschliche Leber speichert Vitamin A, so dass die Versorgung bei ausbleibender Zufuhr für 6-9 Monate bei einem gesunden Erwachsenen oder für 1-3 Monate bei einem gesunden Kind gesichert ist. Vitamin A wird von der Leber kontrolliert ausgeschleust, d.h. die Vitaminkonzentration im Blut ändert sich kaum, solange noch Reserven in der Leber sind. Eine Unterversorgung oder ein beginnender Vitamin-A-Mangel lassen sich im Blut erst bei fast entleerten Leberspeichern nachweisen.

Vitamin A liegt in der Nahrung in 2 Formen vor:
    als präformiertes Vitamin A und
    als ß-Karotin (Provitamin A).

Unser Tipp: Achten Sie auf Vitamin-A- und Provitamin-A-haltige Lebensmittel. Gerade junge Frauen mit Kinderwunsch sollten auf eine ausgewogene Ernährung achten, die auch tierische Lebensmittel (z.B. Eier und Käse), sowie im Optimalfall Leber bzw. Leberenthaltende Produkte  (Pasteten, Knödel) umfasst.

Lebensmittel, die reich an präformiertem Vitamin-A sind:
Rinderleber (gegart), Hühnereigelb, Butter, Margarine, Weichkäse (70% Fett in Tr.), Sahne (30% Fett), Hartkäse (45% in Tr.).

Lebensmittel, die reich an Provitamin A sind:
rohe Karotten, Blattspinat (gegart), gekochte Süßkartoffeln, Grünkohl (gegart), roher Feldsalat, rohe Kresse, rohe Paprika (rot), rohe Mango.

Hinweis: Die nach Verzehr aufgenommene Menge (sog. Bioverfügbarkeit) variiert stark nach Zubereitungsform. So wird aus der rohen Karotte so gut wie kein ß-Karotin aufgenommen. Erst im gekochten Zustand oder als Saft ist die Karotte eine gute Provitamin-A-Quelle.

Vitamin A und Schwangerschaft:
Vitamin A gehört zu den Vitaminen, die in der Schwangerschaft unumstritten sind. Bei einem schweren Mangel sind pränatale (vorgeburtliche) und frühe nachgeburtliche Sterblichkeit stark erhöht, wie Studien aus Indien, Nepal und Afrika zeigen. Auch kommt es zu einer Zunahme von Fehlbildungen. In den letzten Wochen der Entwicklung ist Vitamin A für die Lungenreifung verantwortlich.
Teilweise überzogene Warnungen vor zu viel Vitamin A haben bei Frauen zu Verunsicherungen geführt. Allerdings ist es nicht das in Lebensmitteln vorkommende Vitamin A, das mit diesem Risiko in Verbindung steht. Wird jedoch Retinsäure, die in Lebensmitteln nicht vorkommt, als Medikament eingenommen, so kann diese zu Fehlbildungen in der Frühschwangerschaft führen. Fruchtschädigende (teratogene) Effekte durch natürliches Vitamin A ist schwer vorstellbar. Nur eine sehr kritisch kommentierte Studie zeigte bei sehr hoher Zufuhr von natürlichem Vitamin A aus Lebensmitteln/Nahrungsergänzungsmitteln, nicht jedoch von Provitamin A, eine erhöhte Fehlbildungsrate (2010, Rothman, N Engl J Med). Selbst wenn viele Argumente gegen diese Studie sprechen, sollte im Sinne der Vorsorge bei Kinderwunsch oder bei nicht sicherer Verhütung die tägliche Aufnahme von 10.000 IE Vitamin A über längere Zeit nicht übersteigen. Dies gilt für Supplemente (in denen Vitamin A kaum noch vorkommt) oder aber der Verzehr von Leber mehrfach in der Woche.
Übrigens: Das Argument, Leber sei schadstoffbelastet, ist heute kaum noch gültig.

Vitamin-A-Supplementierung:
In Ländern mit ausgeprägtem Vitamin-A-Mangel ist der Wert einer Supplementierung mit Vitamin A für die Gesundheit von Mutter und Kind belegt. Für Deutschland hat dies aber keine wirkliche Bedeutung, da solche ausgeprägten Formen des Vitaminmangels nicht vorkommen. Hier sollte darauf geachtet werden, ob bei sehr einseitigen Ernährungsformen, Essstörungen oder radikalen Diäten Zeichen von Nachtblindheit auftreten. Dies wäre ein absoluter Grund für die Zufuhr von Vitamin A. Auch Frauen mit mehreren Kinder und kurzen Geburtsabständen haben ein Risiko, dass die Leberspeicher nicht mehr ausreichend gefüllt sind. In diesem Fall kann über eine Nahrungsergänzung ab dem 2. Trimenon nachgedacht werden. Eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft ist in Bezug auf die kindliche Entwicklung ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Gerade hier sollte eine Nahrungsergänzung empfohlen werden (2009, Kanadische Gesellschaft).


Magnesiumversorgung in der Schwangerschaft

Die Bedeutung von Magnesium in der Geburtshilfe ist seit langem bekannt. Seine Wirksamkeit ist auch bei einer Vielzahl von Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Störungen des Nervensystems) gut dokumentiert.
Eine Ursache für den erhöhten Magnesiumbedarf in der Schwangerschaft ist neben dem Mehrbedarf für das Wachstum des Babys u. des mütterlichen Gewebes die erhöhte Magnesium-Ausscheidung über die Nieren. Dies führt zu einer Abnahme des Magnesiumgehalts im Blut.
Magnesiummangelsymptome wie Wadenkrämpfe lassen sich gut mit Magnesiumtabletten therapieren, ebenso wie neuromuskuläre Übererregbarkeit u. verstärkte Gebärmutterkontraktionen. Magnesium kann schwangerschaftsbedingten Blutdruckanstieg vermeiden u. hat positive Effekte auf die Größe u. Reife der Babys. Es besteht eine deutlich erhöhte Häufigkeit von Frühgeburten und auch Fehlgeburten bei Müttern von Kindern, die einen Magnesiummangel im Blut (Hypomagnesiämie) aufwiesen.

Empfehlung:
Wenn ein Magnesiummangel vermutet werden muss oder bereits ein Magnesiummangel mit entsprechender Symptomatik (z.B. Wadenkrämpfe, Magen-Darm-Krämpfe, Dysmenorrhoe, Gebärmutterkontraktionen, vorzeitige Wehen, Extrasystolen, Tachykardie, pektanginöse Beschwerden) vorliegt, ist eine Magnesiumergänzung sinnvoll. Zudem haben Frauen, die zu Risikogruppen gehören (z.B. Sprue, Diabetes mellitus, Mehrlingsschwangerschaft), einen erhöhten Magnesiumbedarf. Im Vorhinein ist klinisch nicht feststellbar, bei welchen Schwangeren sich der Magnesium-Status im Laufe der Schwangerschaft so verschlechtert, dass er sich negativ auf den Schwangerschaftsverlauf auswirkt. Aus diesen Gründen empfiehlt die Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. eine generelle Magnesium-Supplementierung in der Schwangerschaft. Die Magnesium-Zufuhr ist sicher, nebenwirkungsarm u. außerdem kostengünstig. Daher sollte jede Schwangere pro Tag 240-480 mg (10-20 mmol) Magnesium nehmen. Die Magnesium-Zufuhr sollte so früh wie möglich beginnen und bis zur Geburt u. darüber hinaus fortgesetzt werden, da auch in der Stillzeit der Magnesium-Bedarf erhöht ist. Es ist nicht sinnvoll, das Magnesium vor der Geburt abzusetzen, da ein Einfluss auf den Beginn spontaner Wehentätigkeit am Termin nicht festgestellt werden konnte.

Nebenwirkungen der Magnesiumzufuhr können weiche Stühle sein, was durchaus ein willkommener Nebeneffekt bei Verstopfung ist. Durch gleichmäßige Verteilung der Magnesiumeinnahme über den Tag ist das leicht zu beheben. Gegengrund (Kontraindikation) für die Einnahme von Magnesiumtabletten ist die schwere Niereninsuffizienz.